Danke, Vater, dass du mich in deinen Händen hältst.

Hände, die eingreifen, wo es nötig ist.

Hände, die mir eine Richtung angeben.

Hände, die mich tragen, mir aufhelfen und mich auch zurechtweisen.

Hände, die nicht tatenlos zusehen, sondern unbegreiflich liebevoll eingreifen.

Diese Liebe ist oft so überwältigend, dass ich sie nicht begreifen kann.

Oft meine ich, du strafst mich durch irgendwelche Schwierigkeiten und Probleme;

doch dann stelle ich fest, dass du mir gerade in solchen Situationen deine Liebe zeigst,

indem ich lernen kann, mich immer mehr auf dich zu verlassen, dir allein zu vertrauen.

In diesen liebevollen Händen fühle ich mich frei und geborgen.

Ich kann mich selbst in ihnen kennen lernen und so entfalten, dass ich für andere zu einer Persönlichkeit werde.

Eine Persönlichkeit, die Licht, Freude, Zufriedenheit, Geborgenheit, Wärme und Liebe ausstrahlt und

somit für andere zum Bezugspunkt, zur Orientierung, zum Helfer und Ruhepol wird.

Danke, Vater, dass du mich in deinen Händen hältst.

(Iris Breuninger)

 

Justin ging an Mamas Hand durch die Stadt. In der anderen Hand hielt er ein Brötchen und knabberte gelangweilt daran herum. Plötzlich sah er einen alten Mann an der Wand des großen Einkaufszentrums sitzen. Vor dem Mann lag ein alter Hut mit einigen Löchern und der  Mann schaute ganz traurig. „Eine milde Gabe...eine milde Gabe...“, rief der Mann jedes Mal wenn jemand an ihm vorbei ging. Aber niemand beachtete ihn. „Was hat der Mann?“, fragte Justin seine Mama. „Weißt Du...“, antwortete sie ihm, “es gibt Menschen die sind ganz arm und haben kein Geld um sich etwas zu essen zu kaufen. Manche finden keine Arbeit, andere sind vielleicht krank und können nicht mehr arbeiten. Dann setzten sie sich auf die Straße und fragen andere Leute ob sie ihnen etwas abgeben. Diese Menschen nennt man "Bettler".  Justin schaute den Mann an. Er blickte immer noch traurig umher. Eine alte Dame ging vorbei und warf ihm ein Euro-Stück in den Hut. „Vielen Dank die Dame! Gott schütze sie!“ ,sagte der Mann und versuchte trotz seiner Traurigkeit zu lächeln.

Mama wollte weiter gehen, aber Justin riss sich von der Hand los und ging zu dem Mann hin. „Warum bist Du so traurig?“, fragte er ihn. Der Mann erklärte es Justin:  „Ach weißt Du, ich habe meine Arbeit verloren weil ich sehr, sehr krank bin. Nun kann ich kein Geld verdienen um mir etwas zum Essen zu kaufen und habe schon seit Tagen nichts mehr gegessen.“ „Hmmm...“, Justin überlegte kurz. „Weißt Du was. Ich bin noch zu klein und habe kein Geld was ich Dir in Deinen Hut werfen kann, aber wenn Du willst, dann gebe ich Dir mein Brötchen ab.“ Justin hielt dem Mann sein Brötchen hin. „Das ist lieb von Dir", sagte der Mann, "aber ich kann Dir doch nicht Deine Sachen wegessen.“. „Ist schon o.k.“ lächelte Justin „ ich bin schon satt...also nimm, ich teile gerne mit Dir“. Der Mann schenkte ihm ein Lächeln und sah Mama fragend an. „Nehmen sie ruhig“, sagte Mama, „wenn mein Junge teilen will, dann ist das schon ok.“. Der Mann nahm das Brötchen und streichelte Justin über dem Kopf. „ Vielen Dank, Du bist ein guter Junge, deine Mama kann stolz auf dich sein!“.

Als sie weiter gingen drehte sich Justin noch einmal um. Der Mann schaute jetzt nicht mehr traurig sondern fing an ein fröhliches Lied zu singen. Ein Lied von einem kleinen Jungen, der das Teilen gelernt hatte. Dieser Gesang war so schön anzuhören, dass immer mehr Leute stehen blieben und ihm zuhörten. Manche warfen dann auch ein paar Münzen in seinen Hut.

„Du hast heute etwas sehr Tolles gemacht“, sagte Mama „Du bist mein kleiner Held. Du hast dem Mann sein Lächeln wiedergeschenkt und weil er wieder so fröhlich ist, hat er mit seinem Gesang Geld verdient und muss nicht mehr hungern.“ „Aber Mama, das war doch nur ein Brötchen...“, Justin schaute sie ungläubig an. „Nein Kleiner...Du hast etwas gemacht, was viele Große schon verlernt haben. Zuhören, Helfen und mit Ärmeren teilen, dass nennt man Nächstenliebe. Außerdem hast Du ihm gezeigt, dass er trotz seiner Krankheit etwas tun kann um andere Menschen fröhlich zu machen. Du hörst doch wie schön er singt und siehst wie fröhlich die Menschen gucken“. 

 

 

   
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